„Es scheint, hier sind einige ausländische Touristen?"

Guten Tag!

pilger0kWir sind ein junges Ehepaar, Clotilde und Gaëtan Zimmer (aus Versailles, Frankreich). Am Tag nach unserer Hochzeit machten wir uns zu Fuß auf den Weg nach Jerusalem... Wir lieben es zu wandern, zu reisen und fremde Länder zu entdecken. Aber diese Pilgerreise – wir wollten als Jungverheiratete in unserem ersten Ehejahr unsere Herzen auf das Heilige Land hin ausrichten – ist vor allem ein großartiges Abenteuer! Wir wandern seit dem 24. August; jeden Abend hielten wir Ausschau nach Gastfreundschaft. Man könnte unser Abenteuer folgendermaßen zusammen fassen: Jeder Wandertag bringt uns Jerusalem ein Stück näher und ist eine Gelegenheit jemandem zu begegnen, er uns sein Herz öffnet.

Nach Frankreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien und Bulgarien sind wir seit dem 19. Dezember hier in der Türkei. Was ist über dieses Land zu sagen? Es ist vor allem das erste muslimische Land, das wir durchwandern, und wo das Christentum als kleine einheimische Minderheit und in den großen Städten durch die europäischen Ausländer vorhanden ist. Zugleich ist es ein Land, das für die Freundlichkeit seiner Bewohner und für seine Gastfreundschaft berühmt ist.

Wir kamen mit einer gewissen Besorgnis aufgrund der aktuellen religiösen Lage: Terroranschläge, die Ausbreitung des Jihad, das Vorrücken des IS ... Und als ob wir darin noch bestärkt werden sollten, erlitt unser Land am 7. Januar, als wir gerade einige Tage in Istanbul verbrachten, ein Attentat auf die Zeitschrift „Charlie Hebdo“, zu dem sich wenige Tage später eine jemenitische Gruppe von Al Qaida bekannte!

pilger1kUnsere Wanderung ging also in einem gewissen Klima der Spannung weiter. Heute, nach mehr als einem Monat und der „halben Türkei“, sind wir hier in Antalya, wo wir von Pfr. Ludger freundlich aufgenommen wurden. Für uns bietet dies eine Gelegenheit, unsere bisherige Wanderung (durch die Türkei) revue passieren zu lassen... Wirklich, es war eine sehr schöne Wanderung! Wir entdeckten sehr schöne, verschiedenfarbig getönte Landschaften, grün, dank der Olivenbäume, orange und gelb dank der Orangen- und Zitronenbäume... Wir erfreuten uns gleichermaßen an der Begegnung mit Türken aller Altersgruppen und Milieus; sie verständigten sich mit uns nur über ihre Freundlichkeit und ihren Sinn für Gastfreundschaft. Hier ein Beispiel: Eines Tages, unser Weg führte uns durch ländliches Gebiet, trafen wir auf einen Bauern. Der hieß uns willkommen mit den einfachen Worten: „Merhaba! Cay?“ Ahhh! Dieser Cay! Ob in Istanbul oder Antalya, auf der Couch in einem großen Hotel oder einem Dorfplatz, in einem städtischen Café oder bei einer Gastfamilie, dieser Cay, serviert im kleinen Glas auf einem Schälchen, gehört einfach dazu! Er ist das Wahrzeichen der Türkei!

Als junges Paar, das noch keine Wohnung bezogen hat, träumen wir unterwegs oft von unserem zukünftigen Zuhause. Perfekt und groß soll es sein, geräumig, modern und komfortabel eingerichtet... „Ich versichere dir, ein Schlafzimmer mit Umkleideraum ist einfach super!“ Aber als uns dann am Abend ein junges Paar in unserem Alter die Tür öffnet, betreten wir ein armseliges, winziges Haus. Küche und „Bad“ liegen im Flur (ein Wasserhahn fünfzig cm über dem Boden, kein Becken darunter, dient als Ersatz für die Dusche und das Handwaschbecken...), und das Essen findet auf dem Boden statt, im einzigen ofenbeheizten Raum... Da mäßigt man sich, empfindet sogar Scham, weil man in diesem Punkt Luxus und Notwendigkeit miteinander verwechselt hat! Danke allen türkischen Dorfbewohnern für ihre großherzige Gastfreundschaft... Wir danken ihnen besonders, weil sie uns den westlichen Komfort bewußt gemacht haben.!

pilger2kDie türkische Gastfreundschaft erlaubt es uns auch, eine noch traditionelle, auf die Familie und die Gemeinschaft zentrierte Gesellschaftsform in den Blick zu nehmen. So konnten wir erleben, wie im Laufe eines Abendessens Verwandte und Nachbarn unserer Gastfamilie hereinschauten, aus Neugier („Es scheint, hier sind einige ausländische Touristen? Na da schau her!“), aber ebenso aus Gewohnheit. Die alten Frauen passen auf das junge Mädchen auf, das den Tee serviert, die Männer gucken Fernsehen... Und wir, jedesmal, wenn wir aufstehen wollen um zu helfen, werden jedesmal zur Ordnung gerufen: Wir sind „Misafir“, das heißt: Eingeladene. Das bedeutet, dass wir wie die Fürsten bedient werden, trotz der Armut im Haus...

Was lässt sich noch über die Türkei sagen? Es ist ein Land mit Widersprüchen, ein Land, in dem der Laizismus Atatürks seine tiefen Spuren im Denken der Menschen hinterlassen hat... Aber es ist auch ein Land, in dem der Islam eine wichtige Rolle spielt. Man muss der türkischen Sprache nicht mächtig sein, um zu verstehen, dass die Türken eine östliche, eher traditionelle, und eine westliche, eher laizistische Mentalität unterscheiden. Das Portrait von Atatürk jedenfalls ist überall zu sehen, vom Friseur bis zum Büro des Bürgermeisters.

pilger3kMorgen machen wir uns wieder auf den Weg, wir wollen den Hafen von Tasucu erreichen. Von dort geht es weiter nach Zypern... Nach langen Wegstrecken über Land, Berge und Täler werden wir nunmehr an der Küste entlang wandern. Allerdings haben wir eine Befürchtung: Es gibt nur eine einzige, viel befahrene Straße... Schon jetzt können wir mit Sicherheit zwei Voraussagen machen: Zum einen werden wir von der sportlichen Fahrweise der Türken in Schrecken versetzt werden, zum andern werden viele Autos anhalten um uns ein Stück mitzunehmen. Denn die Türken sind nicht nur äußerst solidarisch, darüber hinaus können sie es nicht ertragen, zu Fuß zu gehen - was sage ich? - sie verabscheuen es!

Unser Brief, den wir auf die Bitte von Pfr. Ludger schreiben, gibt uns die Gelegenheit, auch ihm für seine brüderliche Gastfreundschaft herzlich zu danken. Ein großes Dankeschön für diese Woche der Erholung, reich an Spiritualität und kulturellen Entdeckungen...

Danke ebenfalls den Mitgliedern der Pfarrgemeinde, denen wir begegnen durften. Danke für diese schöne Pfarrei, die brüderlich, gastlich und ökumenisch zugleich ist! Seien Sie unserer Gebete versichert!

Clotilde und Gaetan Zimmer
Auf dem Weg nach Jerusalem

„ Deshalb sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, was ihr essen sollt, noch um euren Leib und darum, was ihr anziehen sollt. Ist das Leben nicht mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?“ Matthäus 6,25

Geschrieben in Antalya am 12. Februar 2015

 

Besuch eines Animationsfilmteams

Sehr geehrter Pfarrer Paskert,

mein Partner Can Sungu und ich haben im letzten Jahr einen animierten Dokumentarfilm über die Ankunftsgeschichten der ersten Generation türkischer Gastarbeiter in Deutschland gemacht. 

Unser Film lief im Januar 2014 auf der Transmediale in Berlin und wenn Sie Interesse haben, können Sie auch unter folgendem Link einen kleinen Trailer sehen.

http://www.malvelippmann.de/fileadmin/user_upload/bilder/illustrationen/ve%20geldik/ve_geldik_teaser_artup.mov

Auf unserer Seite finden Sie auch ein Showreal unserer Animationen: www.pixelbistro.de

Nun planen wir gerade einen neuen Film, der sich thematisch an das Thema Migration/ Emigration anschliessen soll. Wir werden wieder einen animierten Dokumentarfilm über die deutschen Dauerresidenten in der Südtürkei machen. Im Januar werden wir für eine erste Recherchereise nach Antalya, Alanya und Umgebung kommen. 

Wir haben über das Internet Sie und Ihre Gemeinde gefunden und würden sehr gerne am 11.1.2015 um 11 Uhr in Ihre Messe kommen. Über die Seite vermittelt sich uns ein  lebendiges Gemeindeleben was sehr beeindruckt. Wäre es möglich, im Anschluss oder auch gern zu einem anderen Zeitpunkt ein Interview mit Ihnen oder mit einem der Gemeindemitglieder zu führen? Unsere Fragen werden um die Themen Migration, Heimat- Fremde, Identität und den Blick auf das "Andere" bzw. kulturelle Begegnungen fokussieren. Wir werden dabei nur Tonaufnahmen und einige Fotos machen und keine Filmbilder. 

Bisher haben wir keine vorgefertigten Bilder oder festen Vorstellungen im Kopf über das Leben der deutschen Dauerresidenten, da wir bisher nur aus der Ferne recherchiert haben und auch noch nie vor Ort waren. Daher wären wir Ihnen auch sehr dankbar, wenn Sie uns vielleicht auch weitere Kontakte zu unterschiedlichen Menschen Ihrer Gemeinde vermitteln könnten. 

Wir sind vom 11.1.-17.1.2015 in Antalya und Alanya und würden uns sehr freuen von Ihnen zu hören

Viele Grüsse 

Malve Lippmann und Can Sungu

Liebe Interviewpartner_innen aus Antalya und Alanya,

wir sind zurück in Berlin und haben gerade den Kälteschock verdaut.
Vielen Dank für die Zeit, die Sie alle sich für uns genommen haben und für die vielen tollen Gespräche!
Wir werden jetzt an dem Film weiterarbeiten und melden uns dann, sobald der Film fertig ist.

Viele Grüße in den sonnigen Süden!


Can Sungu und Malve Lippmann

p:xelb:stro
bureau for graphic design, illustration and animation

Viva il Papa

Ein Begrüßungsruf am 29.11.2014 in Istanbul, dem wir aus ganzem Herzen zustimmen konnten.

Dank frühzeitiger Information über den Papstbesuch war es uns vergönnt, Karten für die Papstmesse in der Kathedrale St. Esprit zu erhalten, so dass wir aus Alanya nach Istanbul reisten. Über den Papstbesuch wurde dort schon Tage vorher im TV informiert, nach Eintreffen noch viel ausführlicher.

So umfangreich, dass uns am 29.11. mittags ein Taxifahrer trotz Zeigens im Stadtplan nicht wie gewünscht, zur Kirche St. Antoine fuhr, sondern zur Kathedrale St. Esprit, die weiträumig abgesperrt war von angeblich vielen Sicherheitskräften. Jedenfalls waren wir – anders als geplant – dank unseres Taxifahrers frühzeitig am Ort des Geschehens.

Die Messe in St. Esprit sollte um 16.00 beginnen, Einlass war um 13.30. So hieß es in der bis zum letzten Platz gefüllten Kirche Warten...Warten. Aber das Warten hat sich gelohnt.

Um 15.30 kündigten laute Viva il Papa Rufe den Einzug von Papst Franziskus an. Als er die Kirche betrat, stiegen die Menschen auf die Stühle, so dass man in den hinteren Reihen nur über die Bildschirme gelegentlich den Papst sehen konnte, wie er freundlich grüßte und Hände schüttelte.

Der Gottesdienst begann mit Chorgesang. Immer wieder wurde er durch Gesang in vielen Sprachen gestaltet und begleitet, z.B. Armenisch, Türkisch, Englisch. Es waren aber Hefte von ca. 30 Seiten verteilt worden, in denen man den wörtlichen Ablauf nachlesen konnte.

Die Messe wurde von Papst Franziskus zelebriert, der durch sein freundliches Wesen und sein bescheidenes Auftreten sehr beeindruckte. Glücklicherweise verhielten sich in diesen Momenten die sonst zeitweilig sehr lauten Besucher ruhig, so dass man das Geschehen in sich aufnehmen konnte, ergreifende Augenblicke voller Andacht. Harmonisch auch das Zusammenwirken von Papst und Patriarch, beide erteilten gemeinsam den Segen zum Schluss der Messe.

Anhaltende, laute "Viva il Papa" Rufe begleiteten dann Auszug und die Abfahrt des Papstes.

Papst Franziskus erlebt zu haben, ist unvergesslich. Es ist zu hoffen, dass es ihm - und damit auch uns - vergönnt Ist, noch manches zu bewegen und zu erreichen.

Ganz viele Grüße und noch einmal vielen Dank

von Christa und Heino

„Ihr sucht Kirche!“

Sonntagmorgen, 2. November 2014: Zwei Wochen sind wir mit dem Rucksack auf dem Lykischen Pfad unterwegs gewesen. Jetzt bleiben uns noch drei Tage in Antalya bis zum Abflug nach Deutschland. Im Internet haben wir gelesen, dass es hier eine deutsche katholische Gemeinde gibt, die um 11 Uhr Gottesdienst feiert. Der Taxifahrer hat uns am Hadrianstor abgesetzt, in der Hand halten wir einen Zettel mit der Adresse „Sokak 1295“. Wir zeigen den Zettel einem Ladeninhaber; der sagt auf unsere in Englisch vorgetragene Frage auf Deutsch: „Ihr sucht Kirche!“ – und weist uns den Weg.

In der St. Nikolaus Kirche haben wir dann eine stimmungsvolle Eucharistiefeier zum Hochfest Allerheiligen erlebt und anschließend anregende Begegnungen bei Kaffee und Kuchen.

Eine schöne, bleibende Erinnerung. Und ein wunderbarer Abschluss unserer Reise.

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Danke! sagen

Angelika und Bernward Kalbhenn aus Hannover, Almanya. 9.11.2014

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