Be-denkens-wert vom 25.07.2007

Nach einer alten indischen Fabel lebte eine Maus in ständiger Sorge, weil sie Angst vor der Katze hatte. Ein Zauberer hatte Mitleid mit ihr und verwandelte sie in eine Katze. Aber dann hatte sie Angst vor dem Hund. Also verwandelte sie der Zauberer in einen Hund. Da begann sie den Panther zu fürchten, also verwandelte sie der Zauberer in einen Panther. Nun hatte sie Angst vor dem Jäger. Da gab der Zauberer auf. Er verwandelte sie wieder in eine Maus und sagte: „Nichts, was ich für dich tun kann, wird dir helfen, denn du hast das Herz einer Maus.“

Lebensängste sind weit verbreitet; viele versuchen mit Tabletten dagegen anzugehen, andere quälen und belasten sich damit und können nie zu einem richtig freien und unbeschwerten Leben finden. Ein englischer Schriftsteller hat einmal eine Liste unserer Sorgen aufgestellt. An der Spitze stehen mit 40 % Sorgen um Ereignisse, die nie eintreffen. An zweiter Stelle der Liste stehen mit 30 % Sorgen um längst vergangene Ereignisse. Man kann nichts mehr daran ändern, vorbei ist vorbei, und doch bleibt man in ihnen hocken. An dritter Stelle stehen mit 12% grundlose Sorgen um unsere Gesundheit. Wer sich dauernd selbst beobachtet und immerzu an seine Gesundheit denkt, wird schließlich krank. Nun sind noch 18% zu verteilen. 10% sind Sorgen von geringerer Bedeutung und aus einer Mücke machen wir gern einen Elefanten. Und schließlich kommen mit 8 % die wirklichen und berechtigten Sorgen. Diese Liste scheint mir, wenn ich mich selbst betrachte, durchaus realitätsnah zu sein; es sind wohl jene 80 % unberechtigter Sorgen, die mir Angst machen, das Herz verengen und die Lebensatmosphäre vergiften. In mir schlägt noch oft das kleine Herz einer Maus. Das ist die eine Erfahrung. Aber dann bin ich dankbar für die andere Erfahrung, die ich auch kenne, nämlich, dass das Herz weiter werden kann, wenn ich daran denke und glaube, dass Gott da ist, dass er neben mir geht, dass ich kein Produkt des Zufalls bin, dass ich mich geborgen wissen kann, dass er sich in Jesus Christus zum Bruder machte, dass sein Wille mein Heil ist, dass er mir eine ewige Zukunft versprochen hat. In diesem Glauben weitet sich das Herz gewaltig und je größer das Herz durch Vertrauen wird, desto unbedeutender werden die unbegründeten Ängste. Glaubensschwache Zeiten in der Geschichte waren immer auch Zeiten voller Ängste. Dagegen wird auch die Massenproduktion von sog. Beruhigungspillen nichts ausrichten, umgekehrt hat, so die Erfahrung unserer Vorfahren, Glaube schon immer Berge versetzt.

Rainer Korten
Pfarrer in Antalya