Be-denkens-wert vom 05.11.2007

Da war ein älteres Ehepaar, es hatte sich das ganze Leben abgeschuftet aber zu Reichtümern war es dennoch nicht gekommen. Diese beiden Alten waren deshalb nicht unbedingt unglücklich, sie liebten sich und wussten, was sie aneinander hatten.

Sie spielte schon mal heimlich Lotto, aber auch das brachte nichts, bis eines Tages eine Fee in ihr bescheidenes Häuschen kam mit dem Superangebot: „Ihr habt drei Wünsche frei.“ Die beiden überlegten lange: nur keinen Wunsch verschenken.

Die Frau stand wie immer am Herd und hatte vor Aufregung vergessen, einzukaufen.

„Du liebe Güte, was wird mein Mann sagen, wenn ich doch jetzt wenigstens eine Bratwurst hätte!“ Sprach’s, und schon lag ein Bratwürstchen da.

Ihr Mann wurde zornig: „Wenn Du so die Wünsche vertust, bringen wir es nie zu etwas, die Bratwurst sollte Dir an der Nase hängen bleiben!“ Sprach’s, und es geschah. Mein Gott, was für ein Anblick.

Der zweite Wunsch vertan. Und jetzt begannen die Konflikte - was machen?

Im dritten Wunsch viel Geld erbitten, für immer aus den Sorgen heraus sein, oder die Bitte diese blöde Bratwurst möge wieder von der Nase seiner Frau verschwinden. Sie liebten sich doch, aber ohne Bratwurst.

Die Geschichte verrät nicht, wozu sich das ältere Ehepaar entschlossen hat, aber sie regt an, darüber nachzudenken: Was ist Glück?

Christen sind sich immer bewusst gewesen, dass für sie das Wissen im Glauben, unendlich von Gott geliebt zu sein, das größte Glück ist, nicht kaufbar, nicht erarbeitbar, nicht im Lotto zu gewinnen, sondern einfach geschenkt bekommen zu haben. Dieses Wissen feiern sie dann Sonntag für Sonntag im Gottesdienst und erwerben sich damit ein stabiles Lebensfundament an Glück, wo sie auch nicht umfallen, wenn so Wünsche vom Kaliber der Bratwurst – und meistens sind das unsere Alltagswünsche – sich in Nichts auflösen.

Rainer Korten
Pfarrer in Antalya