Be-denkens-wert vom 02.03.2014

 

Nach gut 10 Jahren Aufbau in Antalya verabschiede ich mich mit diesen Zeilen und übergebe meinem Nachfolger Ludger Paskert  zum 9. März die Gemeinde Antalya/Alanya.

Offiziell, aber theoretisch  seit Juni 2012 in Pension, freue ich mich, jetzt auch praktisch und endgültig die letzte, neue  Lebensphase antreten zu können.

Es fiel mir leicht, die Entscheidung zu treffen, den Rest meines Lebens in der Türkei und in Antalya zu verbringen. Ein Jahrzehnt meines Lebens  in der Türkei hat mich die Vorzüge einer Gemeinschaftskultur schätzen lernen, deren Früchte Pragmatismus, Toleranz, Freundlichkeit,  Respekt und Rücksichtnahme im Alltag der Gesellschaft greifbar sind, während eine deutsche Single--Unkultur nicht nur zur progressiven Vergreisung führt, sondern auch zu Verhaltensweisen, die im Alltag unerfreulich sind. Die gesunde Balance von Jung und Alt ist erfrischend. Überall auf der Welt in jedem Land ist nicht alles optimal, aber in der Türkei ist gesellschaftlich  noch alles normal, und das lässt unbeschwerter leben.

In den 10 Jahren unseres Bestehens als christliche  Gemeinden in Antalya und Alanya haben wir seitens der türkischen Bevölkerung keine Anfeindungen, keinerlei Beschmierungen an unseren Gebäuden und keinerlei unliebsame Vorkommnisse erlebt, sondern im Gegenteil Sympathie und Neugierde und auch die ca. 45 deutschsprachige Gruppen, die uns jährlich besuchten, sagten oft: wir sind mit Vorurteilen gekommen und reisen geheilt nach Hause.

Diese günstigen Rahmenbedingungen haben sich natürlich auch auf das Gemeindeleben ausgewirkt.Im Umkreis von 500 km fast die einzige christliche  Gemeinde zu sein (seit 2 Jahren  gibt es in Antalya auch eine orthodoxe Gemeinde) und dadurch immer  wieder neuen Menschen, und zwar nicht nur deutschsprachigen, zu begegnen hat eine Atmosphäre entstehen lassen, die ökumenisch  bereichernd, den Blick öffnend und des Glaubens hat froh werden lassen.

Zum Abschied möchte ich ein herzliches Danke allen Leserinnen und Lesern unserer Internetseite und vor allen Dingen, Frau Schlenker als deren Gestalterin sagen, den Gemeinden in Antalya und Alanya Wohlergehen und Gottes Segen wünschen und meinem Nachfolger Herrn Pfarrer Paskert einen frohen Dienst und viele ähnliche positiven Erfahrungen wie ich sie erleben durfte.

Rainer Korten Pfr.i.R.
Antalya

 

 

Be-denkens-wert vom 15.01.2014

 

Es gibt ja die vielen  kleinen Menschlichkeiten, die oftmals mehr wert sind als die großen, in den Medien aufgeblasenen „Heldentaten“.

Es geschah auf einem Kinderspielplatz. Eine Menge Kinder tummeln sich auf dem Platz, die meisten barfuss im Sand. Vorbei kommt eine alte Frau, sie schaut zunächst den Kindern zu, dann bückt sie sich und hebt etwas auf, das sie schnell in ihrer Tasche verschwinden lässt. Das wiederum alarmiert den Wächter, denn er denkt, sie habe eine Geldbörse gefunden, die eine Mutter auf dem Spielplatz verloren hat; und er stellt die Frau zur Rede. Ja, er droht ihr sogar und sagt:“…ich muss sie mitnehmen, wenn sie mir nicht augenblicklich sagen, was sie da eingesteckt haben“. Die alte Dame ist verwirrt und holt eine Glasscherbe hervor. „Was wollen sie denn damit?“ Die Frau: „ich dachte nur, ich nehme sie weg, damit die Kinder nicht mit ihren nackten Füßen hineintreten.“ Der Wächter war etwas blamiert, aber innerlich groß genug, die Geschichte weiterzuerzählen.
 
Diese Geschichte kam mir in den Sinn, wenn am Sonntag nach allen Weihnachts- und Neujahrsfeierlichkeiten in den Kirchen von der Taufe Jesu im Jordan berichtet wird. Er stellt sich in die Reihe derer, deren Leben verkorkst ist, die nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen, deren Teile des Lebens in Scherben liegen, die vom äußeren Schein als Inhalt leben und erhebt durch seine Taufe das Leben in eine ganze andere Weite. Sie zeigt an, dass Leben trotz aller Brüche und Umwege seine Würde behält, die mir auf Zeit höchstens von Menschen genommen werden kann, aber bei Gott unausrottbar ist. Das mit dem Wasser in Gott hinein getauft sein ist mir der sichere Garant, dass alle Brüche und Zerrissenheiten heilbar sind, und dass es keine letzte Verlorenheit gibt.
 
Jesus ist gekommen, um die „Scherben“ des Lebens aufzuheben, damit sich keiner in seiner Würde verletzt und sein Leben gering achtet. Das ist weit mehr, als wenn in unserem Grundgesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar, und wir doch immer wieder großzügig  Ausnahmen zulassen, angefangen von den Ungeborenen bis zu manchen Fremden. Für uns Menschen ist die Würde des Anderen leider nicht unantastbar, trotz hehrer Grundgesetzartikel, bei Gott dürfen wir absolut sicher sein, denn in der Taufe Jesu und in der eigenen Taufe sind wir eben nicht mit den Wassern dieser Welt gewachsen, sondern mit Wasser im Hl. Geist.

Rainer Korten Pfr. i.R.
Antalya